„Lesen und Lernen in der Hauptstadt Westfalens“ lautete das diesjährige Motto der Exkursion des Bibliotheksteams unserer Schule. Wir erhielten im Stadtmuseum von Münster zunächst an ausgewählten Objekten einen historischen Einblick in die enge Verknüpfung von Schule und Kirche: Christianisierung Westfalens und Bildungsreform Karls des Großen, Gründung der Domschule im Jahre 797, Verbreitung von Literatur und Wissenschaft in den Klöstern, Bücherverbrennungen und radikale Einschränkungen durch die Wiedertäufer, das Jesuitenkolleg und schließlich die Neuerungen durch Franz von Fürstenberg und die moderne Erziehungsarbeit der Amalie von Gallitzin, die den Unterricht in Schwimmen, Fechten und Reiten auch für die Mädchen propagierte.
Nach der Einführung gingen wir zum Denkmal für Franz von Fürstenberg und über den Jesuitengang an der Kirche des Jesuitenkollegs (Petrikirche) vorbei zur Universitätsbibliothek. Dort erwartete uns Herr Lenzing (Historische Bestände der Universitäts- und Landesbibliothek) mit Kostbarkeiten aus der Handschriftensammlung und wertvollen Büchern aus dem Tresor der Bibliothek.
Unsere letzte Lesenacht am AHG war Thomas Mann gewidmet. Und so präsentierte uns die Universitätsbibliothek die beiden einzigen Autographen des Nobelpreisträgers: eine Postkarte und einen Brief von Thomas Mann, zwei Texte, die wir lasen und in die Biographie des Schriftstellers einordneten.
Anschließend stellte uns Herr Lenzing den wertvollen Sternenboten („Sidereus Nuncius“) des Galileo Galilei vor: eine Ausgabe, die einen vollständigen Zyklus der von Galileo gezeichneten Sternenbilder und Mondkraterdarstellungen enthält. Max und Till fragten nach dem monetären Wert des Buches und die Antwort kam prompt: Würde das Buch wieder einmal mit dem Flugzeug in die USA geflogen, so wie bei einer vormaligen Ausstellung in Housten/Texas, wäre der Versicherungswert sicherlich mehr als eine halbe Millionen Euro.
Vom Sternenboten ging es zum schwersten Buch der Bibliothek, einem Reisetagebuch des Melchior Lechters. Wir staunten nicht schlecht: 5,7 kg Metalleinband mit Amethysten verziert wiegen schwer! Natürlich hielten alle das Buch einmal selbst in den Händen und wir blätterten auch, um das wunderbare Schriftbild und die kostbare Innengestaltung dieses Privatdrucks zu würdigen. Welch ein Unterschied zum kleinsten Buch der Welt, das uns kurze Zeit später von Herrn Lenzing in die Hand gegeben wurde. Blättern konnte man nicht. Dafür wäre eine Pinzette notwendig gewesen.
Da wir in den letzten Monaten Pip Williams Die Sammlerin der verlorenen Wörter im Leseclub der Schülerbibliothek gelesen hatten, wollten wir natürlich auch einen Blick in das Oxford English Dictionary werfen. Den ersten Band der 20bändigen Ausgabe erhielten wir als Anschauungsmaterial bei Herrn Lenzing, die anderen standen im Lesesaal. Und hier waren Ayleen, Lisa, Anna und Lily besonders interessiert: wir schlugen „bondmaid“ nach und jeder, der das Buch kennt, wird wissen, warum…
Gestärkt durch die Mittagspause an den langen Holztischen im Pausenraum waren wir bereit für die letzte Station unserer Exkursion. Frau Sendker-Sahle, Leiterin der Abteilung für Konservierung und Restaurierung der Bibliothek, führte uns in die alarmgesicherten Bereiche der Bibliothek. Sie brachte uns in ihrer Werkstatt durch verschiedene Stationen Materialkunde und Restaurierungsmethoden nahe. Wir durften Pergament, Papyrus und Leder in die Hand nehmen und selber für beschädigte Originale Restaurierungsmaßnahmen treffen: vier Schülergruppen stellten dann vor, welche Maßnahmen an dem Werk nötig sein würden. Frau Sendker-Sahle war sehr zufrieden mit unseren Ergebnissen und schenkte zum Abschied allen Schüler:innen jeweils drei kleine selbst hergestellte Büchlein („Feines Buchkonfekt mit hohem Edelpapier-Anteil, abgefüllt in der Restaurierungswerkstatt der ULB Münster“).
Was für ein Tag! Ein Eis noch, dann saßen wir wieder im S71 und fuhren mit vielen neuen Eindrücken zurück nach Ahaus.
Unser heutiger Dank gilt den wunderbaren Bildungseinrichtungen Münsters, die unseren Horizont ein weiteres Mal erweiterten, und dem Förderverein unserer Schule!
P.S. Wer sich einen Eindruck von einem Teil der Originale machen möchte die wir in der Universitäts- und Landesbibliothek sahen, kann es hier tun:
https://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/nav/classification/9507185
https://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/hd/content/titleinfo/2157312
https://sammlungen.ulb.uni-muenster.de/hd/content/titleinfo/9153182
Auch ein Blättern ist möglich!